"Für Dieter"

Dieter war unser Freund.
Der treue Freund. Der francophile Freund.

Einige seiner französischen Freunde aus Fontainebleau hätten heute kommen wollen, konnten es leider nicht. Aber ich weiß, dass sie jetzt in Gedanken bei ihm und bei seiner Familie sind.
Dieter war unser Freund. Der Freund meiner liebsten Angehörigen und mein Freund.
Alle, die wir ihn gekannt haben, - ob Pierre, Olivier, Francis, oder auch ich selbst haben ihn geschätzt und geliebt.
Dieter verstand es, Freundschaften zu pflegen.
Dieter verstand es, anderen seine heißgeliebte badische Heimat nahe zu bringen, so dass auch  diese sie schätzten und lieben lernten. Wie viele Kleinode durfte ich dank und mit ihm bewundern, die mir sonst immer unbekannt geblieben wären!
Seine vielseitigen Interessen und Begabungen haben uns, haben mich bereichert.
Denn Dieter verstand es, zu SEHEN.
 

Aus diesen verschiedenen Gründen möchte ich heute für ihn ein französisches Gedicht von Sully Prudhomme vortragen. Ich werde es auf Französisch vorlesen, weil die Übersetzung der Lyrik schaden würde, aber auch weil Dieter die französische Sprache liebte.
Für diejenigen, die kein Französisch verstehen, möchte ich nur kurz den Inhalt zusammenfassen.
 

Es geht um die Augen, um den Blick der Menschen, die wir liebten.
Die geliebten Augen ruhen im Grab, aber die Sonne geht immer noch auf.
Die Sterne glänzen, aber die Augen ruhen im Schatten.
Doch ist es unmöglich, dass sie nicht mehr sehen.
Sie blicken nun in das Unsichtbare hinein.
Die Gestirne neigen sich zu Ende, aber die Sterne glänzen am Himmel weiter, und die geschlossenen Augen sehen weiterhin vom Grab aus.
 

Ute, Antje, Utto, Simone, Caro, ja, Dieter sieht euch, sieht uns noch. Er ist immer noch bei uns, in uns.

Und vergessen wir nicht, dass aus der Finsternis Licht entsteht.

Claude

LES YEUX
 

Bleus ou noirs, tous aimés, tous beaux,
Des yeux sans nombre ont vu l´aurore.
Ils dorment au fond des tombeaux,
Et le soleil se lève encore.
 

Les nuits plus douces que les jours
Ont enchanté des yeux sans nombre;
Les étoiles brillent toujours
Et les yeux se sont remplis d’ombre.
 

Oh! Qu’ils aient perdu le regard,
Non, non, cela n´est pas possible!
Ils se sont tournés quelque part
Vers ce qu´on nomme l´invisible.
 

Et comme les astres penchants
Nous quittent, mais au ciel demeurent,
Les prunelles ont leurs couchants,
Mais il n’est pas vrai qu´elles meurent:
 

Bleus ou noirs, tous aimés, tous beaux,
Ouverts à quelque immense aurore,
De l´autre côté des tombeaux
Les yeux qu’on ferme voient encore.

Sully Prudhomme
La Vie intérieure
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